„Günther hat sein Käsebrot fotografiert“ (Buch)

9783742300485-jpg-400x0_q85Es ist schon faszinierend, wie sich die Welt in den letzten Jahrzehnten verändert hat. Vor 20 Jahren machte man sich ja keine Vorstellungen davon, was heutzutage möglich ist. Unmögliche Dinge sind plötzlich normal, mickrige Kästchen, die wir mit uns führen, vernetzten uns mit der ganzen Welt, liefern uns Informationen aller Art und ersetzen unzählige digitale und analoge Gerätschaften. Durch Smartphones und die Digitalkultur gibt es unendliche Chancen – aber eben auch viele Risiken. Autor Andreas Hock blickt zurück in seine eigene Vergangenheit ohne Handys, Facebook und Co. – und blickt auf die Unterschiede zwischen damals und heute. Dem einen oder anderen wird womöglich erst durch „Günther hat sein Käsebrot fotografiert“ (u.a. hier zu kaufen) klar, wie eklatant diese Unterschiede sind.

Andreas Hock über den sozialen Niedergang durch Smartphones und die Digitalkultur

Autor Andreas Hock hat es am eigenen Leib erlebt: Eine Kindheit ohne Computer und Handys – und während er erwachsen wurde, brach das digitale Zeitalter an. Mehr und mehr Handys kamen auf den Markt, wurden zu übermäßig fähigen Smartphones. Spielekonsolen, PCs und dergleichen nahmen ihren Anfang, wurden stetig verbessert und wurden schließlich zu den heutigen Maschinen mit gigantischen Möglichkeiten. Aber eben auch Gefahren, vor allen Dingen in sozialer Hinsicht. Man sprich nicht mehr miteinander, sondern schreibt sich belanglose Texte. Man trifft sich nicht mehr physisch, sondern chattet – und wenn man sich doch mal trifft, dann hängt man eh nur am Smartphone rum. Hock erzählt in „Günther hat sein Käsebrot fotografiert“ von seinen eigenen Erlebnissen und Erfahrungen, paart dies aber geschickt mit spannenden Zahlen und Fakten, die auch vor der persönlichen Geschichte von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg keinen Halt machen.

Hock macht deutlich, was man im Laufe der Zeit im persönlichen Miteinander verloren hat, was bei all der Digitalisierung auf der Strecke blieb und womöglich nie wieder so sein wird, wie es früher einmal war. Da hatte man sich noch gegenseitig, während heutzutage jemand auch gerne mal – wie der Buch-Untertitel aufzeigt – 342 Freunde hat, obwohl man im wahren Leben eigentlich keineswegs eine solche Anzahl wirklicher Freunde vorzuweisen hat. Mehr ist mehr, scheint es zu heißen – und Hock kritisiert dies eindeutig aus der Sicht eines Mannes, der das Erwachsenwerden und das Erwachsensein eben noch völlig anders erlebt hat – und daher so wunderbar vergleichen kann. Dabei muss man jedoch mit der Tatsache klarkommen, dass in der Tat die meisten Aspekte von ihm eindeutig negativ beleuchtet werden. Facebook, Instagram, Twitter, YouTube und Co. werden genau auf den Prüfstand gestellt und all die Risiken und Gefahren aufgedeckt.

Die positiven Aspekte bleiben hier leider häufig ein wenig auf der Strecke. Und so ist auch Hock ein klarer Gegner von „Ballerspielen“ und zieht den klaren Bezug zu Gewalt (der Filmfraß hat auch früher selbst gerne in „Unreal“ Headshots verteilt und bei „GTA III“ Passanten über den Haufen gefahren ohne in dieser Hinsicht gestört oder gefährlich zu sein). Tinder ist für ihn nicht dafür gedacht, die große Liebe zu finden (der Filmfraß selbst ist mit mehreren Paaren befreundet, die sich genau über dieses Portal kennen und lieben gelernt haben). Diese und einige weitere Punkte können dann schon einmal stören, aber man kann sich ja stattdessen auf die positiven Aspekte konzentrieren: Nämlich, dass die Daten, Fakten und Hintergründe sehr ordentlich recherchiert und spannend sowie unterhaltsam aufbereitet wurden. Oder dass man sich nach der Lektüre des Buches vielleicht doch Gedanken macht, wie man ein Stück weit aus der digitalen Gefangenschaft entfliehen kann, um es gegen ein wenig mehr wirkliches Leben einzutauschen.

Fazit

Manchmal ein wenig zu überkritisch der Digitalisierung gegenüber, aber insgesamt fundiert recherchiert und interessant sowie unterhaltsam aufbereitet. Wer eine Kindheit vor der Digitalisierung erlebt hat, wird Autor Hocks Empfindungen gut nachvollziehen können. Wer erst später zur Welt kam, dürfte fasziniert sein von den Eindrücken eines Mannes, der in einer anderen Welt aufgewachsen zu sein scheint.

Sterne-4,0

Hier zu kaufen:

„Günther hat sein Käsebrot fotografiert. 342 Freunden gefällt das. – Über den sozialen Niedergang durch Smartphones und die Digitalkultur“

Bibliografische Angaben

Titel: Günther hat sein Käsebrot fotografiert. 342 Freunden gefällt das. – Über den sozialen Niedergang durch Smartphones und die Digitalkultur
Autor: Andreas Hock
Verlag: riva
Format: Taschenbuch
Seitenzahl: 200
Erschienen: 7. November 2016
Preis: 14,99 Euro
ISBN: 978-3-7423-0048-5

Quelle

riva Verlag

Advertisements

Veröffentlicht am 22. November 2016 in Bücher und mit , , , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 3 Kommentare.

  1. Wie lange sind denn deine Tinder-Freunde so zusammen?
    Kenne in meinem Bekanntenkreis keine solche Beziehung. Und die wenigen, die Tinder noch nutzen, die suchen dort nicht nach etwas Festem – und sind damit recht erfolgreich 😉

    Birgt auf jeden Fall eine geiwsse Ironie, dass ich zum ersten Mal von diesem Buch im Internet auf einem Blog gelesen habe.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: