„Zitroneneis – Sex & Rock’n Roll: Die deutsch-israelische Filmreihe Eis am Stiel“ (Buch)

1Ein kleiner Film sollte ein wenig Kohle in die kassen spülen. Nicht mehr, nicht weniger. Entstanden ist „Eis am Stiel“ – und ein Kult begann. Es entwickelte sich eine zehn Jahre währende Filmreihe, die sich insgesamt von 1978 bis 1988 erstreckte. Und auch heute noch zahllose Fans hat! Es ging ums Erwachsenwerden, um Klamauk und Sex, um Herzschmerz und tolle 60er- und 70er-Musik. Martin Hentschel begibt sich auf knapp 400 Buchseiten auf eine Reise in die Vergangenheit: „Zitroneneis – Sex & Rock’n Roll: Die deutsch-israelische Filmreihe Eis am Stiel“ ist exklusiv bei Amazon erhältlich.

Die „Eis am Stiel“-Kultreihe auf knapp 400 Buchseiten

Hinsichtlich Kult-Filmreihen fallen einem sicher einige ein, doch „Eis am Stiel“ sticht auf jeden Fall heraus: Von 1978 bis 1988 begeisterten die Filme international die Kinogänger, fuhren erstaunliche Gewinne ein und haben auch Jahrzehnte nach dem letzten Teil eine illustre Fangemeinde. Die kann sich jetzt freuen über knapp 400 Buchseiten von Martin Hentschel („Heiße Teens und flotte Filme“, „Lass jucken!“, „Video Rebellen“). Der nämlich hat sich vorgenommen, die komplette Reihe einmal Revue passieren zu lassen – etwas, das lange überfällig war! Wurde der Filmfraß in den 90ern selbst mit dem „Eis am Stiel“-Virus infiziert, hat er sich natürlich sehr gefreut über das üppige Buch. Tatsächlich kommen dann auch die alten Erinnerungen wieder auf an das Haupt-Trio, bestehend aus Benny (Yiftach Katzur), dem dicken Johnny (Zachi Noy) und Momo (Jonathan Sagall), an die mitreißende Musik der 60er und 70er, an die Pubertäts-Probleme, die man auch von sich selber kannte. Natürlich sind alle Inhaltsangaben vertreten, Informationen zu den jeweiligen Darstellern, zu den Produktions-Umständen der einzelnen Filme, zu den Regisseuren und Produzenten (inkl. Überblick über die legendären „Cannon Films“) und – vielleicht das Beste? – eine genaue Auflistung, welche schicken Musiktracks in welchen Szenen zu hören sind.

Vollständig ist das Ganze dann aber doch nicht, sondern beinhaltet Infos, die problemlos für andere hätten weichen können. So erfährt man beispielsweise, wie die Filme in Russland betitelt wurden, nicht aber die Laufzeit der Streifen. Auch an anderen Ecken gibt es Licht und Schatten: Sicherlich sind viele der abgebildeten Werbeanzeigen aus verschiedensten Ländern spannend und interessant, andere aber sind völlig nichtssagend oder aufgrund schlechten Schwarzweiß-Drucks nahezu gar nicht zu lesen. Auch fehlen leider häufig genaue Angaben, woher die jeweiligen Anzeigen stammen. Gerade diese bieten daher im Grunde keinen Mehrwert, sondern blasen das Buch nur unnötig auf. Wer sich bisher nur oberflächlich mit den „Eis am Stiel“-Filmen auseinandergesetzt hat, erfährt durch die Texte jedoch allerhand interessante Dinge über die Produktion, die Macher und auch die Darsteller, inklusive der zahlreichen hübschen Mädels, die zu sehen sind. Zwar wirken die Texte manchmal wie eine simple Aneinanderreihung von Fakten, die man auch problemlos aus dem Netz ziehen kann, aber hier soll es sich ja auch primär um gesammelte Informationen handeln und nicht um einen wunderschön geschriebenen Roman. Die angepriesene Bezeichnung „sachlich skizziertes Standardwerk“ wirkt jedoch aufgrund der textlichen Unausgegorenheit nicht so ganz nachvollziehbar.

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Unschön gewelltes Cover.

Auch muss man damit leben, dass sich das Cover viel zu leicht wellt (siehe Foto) und dass die knapp 400 Seiten stark gefüllt sind mit Rechtschreibungs-, Grammatik und Flüchtigkeitsfehlern; da springen einem dann auch mal absurd falsch geschriebene Wörter wie „ausherhalb“ ins Gesicht. Als Ausgleich für derartige Schönheitsfehler gibt es aber neben den Berichten über die einzelnen offiziellen acht „Eis am Stiel“-Filme noch interessante Infos zu weiterführenden Streifen, in erster Linie zu den nahezu völlig unbekannten internationalen Remakes. Die Darsteller bekommen schließlich auch noch mal separate Kapitel gewidmet, wobei „der Dicke“ Zachi Noy auch hier besonders üppig davonkommt. Klar, ist er ja schließlich auch so etwas wie das Gesicht der Filme – und wurde damals auch besonders präsent durch die TV-Sendungen geschleust, um die Filme zu bewerben. Auch zu den anderen beiden Hauptdarstellern, Jesse Katzur und Jonathan Sagall, sowie Nili-Darstellerin Anat Atzmon gibt es Berichte über den Werdegang und die Karriere, dazu 2012 bzw. 2011 aufgezeichnete Interviews mit Katzur und Sagall. Abgerundet wird das Buch durch einen Überblick über die Filme, die im Fahrwasser des „Eis am Stiel“-Erfolges entstanden sind.

Fazit

Ein Buch, das zu diesem Thema längst überfällig war. Gespickt mit Fehlern hinsichtlich literarischem Handwerk und Rechtschreibung, teils ziemlich unbrauchbaren Werbe-Illustrationen zu den einzelnen Filmen und ein paar anderen Schönheits-Fauxpas – und dennoch freut man sich über detaillierte und interessante Texte zur immens kultigen Reihe, die man sich nach Lektüre des Buches nur zu gerne direkt wieder mal zu Gemüte führt.

Sterne-3,0

Hier zu kaufen

Bibliografische Angaben

Titel: Zitroneneis – Sex & Rock’n Roll: Die deutsch-israelische Filmreihe Eis am Stiel (1978-1988)
Autor: Martin Hentschel
Preis: 19,99 Euro
ISBN: 978-1539578727
Erschienen: 18. Oktober 2016

Quelle

Offizielle Facebook-Seite
Amazon-Seite

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Veröffentlicht am 6. November 2016 in Bücher und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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