„Der Nachtmahr“ auf DVD, Blu-ray und Mediabook

1Die Deutschen machen ja keine Genrefilme? Stimmt natürlich nicht! Nur finden die meisten dieser Art meist unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, weil so viele Leute den deutschen Filmen keine Aufmerksamkeit schenken, sofern es sich nicht gerade um lumpige Comedy-Fließbandware à la Til Schweiger handelt. Mit „Der Nachtmahr“ hat sich ein kleiner, feiner Film herangeschlichen, der im Kino deutlich mehr Besucher verdient gehabt hätte, als er letztlich abbekam. Da kann man nur hoffen, dass der stylische Mystery-Film im Heimkino besser wegkommt. Zu kaufen ist er ab dem 27. Oktober 2016 auf DVD, Blu-ray sowie im schicken Mediabook mit ordentlich Bonusmaterial.

Deutscher Mystery-Film „Der Nachtmahr“ im Heimkino

2Manchmal muss man schon ein wenig suchen, um sich die feinen Filmchen anschauen zu können. „Der Nachtmahr“ ist genau so ein Film, den man sehr leicht übersehen kann. Der ins Kino kommt, dann für’s Heimkino veröffentlicht wird – aber irgendwie kriegt es kaum einer mit. Klar, in vielen Fällen ist das auch vollkommen in Ordnung, weil es sich eh um Fließbandware handelt. Bei diesem Mystery-Film hier ist es aber anders. Dabei ist die Story gar nicht so super originell: Die 17-jährige Tina (Carolyn Genzkow) ist mit ihren Freunden (darunter Sina Tkotsch, Wilson Gonzalez Ochsenknecht) fast ständig auf Partys unterwegs. Das ändert sich aber, als sie – und nur sie – plötzlich Erscheinungen wahrnimmt. Die haben mit einem komischen, kleinen, hutzeligen Wesen zu tun, das in seinem Aussehen und seinen Eigenheiten ein wenig wirkt wie eine Mischung aus E.T., einem Nacktmull und Harry Potters Hauself Dobby. Einen wirklichen Horrorfaktor hat diese Figur damit insgesamt nicht, was durchaus irritieren mag. Denkt man aber ein wenig nach über den Film, dann wird schnell klar, dass hier auch gar nicht der Schrecken von diesem mysteriösen Gnom ausgeht, sondern eher aus diversen anderen Richtungen: Tina verliert nach und nach den Kontakt zu all ihren Mitmenschen, ihre Freunde sowie ihre Eltern halten sie für verrückt und wollen sie entweder mit Medikamenten vollpumpen – oder meiden sie lieber komplett.

3Schon bald weiß Tina nicht mehr, ob sie völlig irre ist – oder alle anderen um sie herum. Statt zu anderen Menschen fühlt sie sich immer mehr dem Gnom verbunden. Und so wird nicht nur die junge Frau in einen Sog gezogen, sondern auch der Zuschauer. Ist der Gnom echt oder nur eine Einbildung? Man ist genau so unwissend hierüber wie Tina – während für alle anderen im Film zu jeder Zeit klar ist, dass Tina natürlich nicht alle Latten am Zaun hat. Doch das ist nicht alles, was „Der Nachtmahr“ zu einem interessanten, faszinierenden Film macht. Gewarnt wird gleich zu Beginn mit den Texteinblendungen „Dieser Film enthält isochronische Töne und binaurale Frequenzen“ sowie „Dieser Film sollte laut abgespielt werden!“ Und tatsächlich: Die Soundanlage gut aufdrehen, dann werden einem schön die Techno-Beats um die Ohren geknallt, dass man immer wieder fast erschlagen wird, wenn sie aus der Stille heraus plötzlich einsetzen. Beklemmende Isolation herrscht dabei in beiden Lebensbereichen von Tina: Die Club-Szenen sind laut, grell, sexy und gefüllt mit Alkohol und Drogen. Ein ständiger Trip, der Gemeinschaft vorgaukelt, sich aber als Meer der jeweiligen Einsamkeiten der einzelnen Partygäste entpuppt. Durch die plötzliche Wesens-Erscheinung tritt Tina mehr und mehr aus diesem Meer hinaus – und hinein in ihre ganz eigene, persönliche Welt.

4„Der Nachtmahr“ ist sicherlich nicht für jedermann, Freunde des mystischen Films und des mutigen, sich einfach anders als der Einheitsbrei präsentierenden Films ist er eine kleine Perle, die man nicht verpassen sollte. Die Heimkino-Veröffentlichung würdigt diesen feinen Film von Regisseur und Autor Akiz („Das wilde Leben“) dann auch mit drei Varianten: Neben der regulären DVD und der normalen Blu-ray kann man sich den Streifen auch als Mediabook ins Regal stellen. Während die normalen Versionen hinsichtlich der Extras nur ein Interview mit Akiz sowie einige Trailer aufweisen, darf man sich im Mediabook zudem über üppiges Bonusmaterial freuen: Die Dokumentation „Der Nachtmahr – und wie er in die Welt kam“, das Musikvideo „Wild Style Lion“ von Kim Gordon, das Video zur Crowdfunding-Finanzierung des Films, ein Nachtmahr-Kurzfilm, ein Testclip, sowie ein Booklet mit Text von Dr. Marcus Stiglegger sorgen für eine runde Mischung – und dem aus der Masse herausstechenden Film absolut angemessen.

Fazit

Schön mystischer, stylischer und andersartiger Film, der mehr Beachtung verdient, als er bisher bekommen hat. Die im Grunde simpel gestrickte Story wird auf beklemmende und faszinierende Weise erzählt und entfaltet sich auf spannende und interessante Art. Genre-Fans sollten beim Mediabook zugreifen, denn die bietet hinsichtlich der Extras und der schicken Verpackungs-Optik ein tolles Gesamtpaket!

Sterne-4,0

Filmangaben

Titel: Der Nachtmahr
Originaltitel: Der Nachtmahr
Genre: Mystery
Land, Jahr: Deutschland, 2015
Verleih: Koch Media
Regie: Akiz
Drehbuch: Akiz
Darsteller: Carolyn Genzkow, Wilson Gonzalez Ochsenknecht, Sina Tkotsch, Alexander Scheer, Kim Gordon, Arnd Klawitter, Julika Jenkins
Laufzeit: 92 Minuten (Blu-ray), 89 Minuten (DVD)
FSK-Freigabe: ab 12 Jahre
Kaufstart: 27. Oktober 2016

Quellen

Offizielle Film-Website
Internet Movie Database
Koch Media

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Veröffentlicht am 26. Oktober 2016 in DVD & Blu-ray und mit , , , , , , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 3 Kommentare.

  1. Schade, dass er nirgends in meiner nähe im Kino kam. Vom Sound her war das zu Hause dann kein ganz so einnehmendes Erlebnis mehr.
    Da sollten sich die Kinobetreiber mal mehr trauen und nicht nur den großen Hollywood-Käse verwursten.

    • Da hast du natürlich grundsätzlich Recht. Aber es ist halt schwierig, wenn du weißt, dass der x-te Til-Schweiger-Film sicheres Geld einbringt, während ein Film wie „Der Nachtmahr“ vielleicht mit 10 Besuchern das Kino-Zeitliche segnet :(. Auch ich gehe natürlich davon aus, dass man sich ein Publikum auch ein Stück weit „erziehen“ kann, aber das braucht halt ein wenig Zeit. Nicht so einfach, wenn man auf die Einnahmen angewiesen ist… 😦

  1. Pingback: Kritik – Der Nachtmahr – filmexe

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