Leah Remini – „Troublemaker: Wie ich Hollywood und Scientology überlebte“ (Buch)

9783868826937-jpg-400x0_q85Hierzulande hat man mit Scientology eigentlich nicht viel am Hut. Klar, die meisten Menschen wissen, dass es sich um eine Sekte handelt, die durchaus auch in Deutschland tätig ist. Viele wissen auch, dass beliebte Schauspieler wie Tom Cruise und John Travolta ihr angehören. So richtig Einblick hat man aber eigentlich nicht in die Glaubensgemeinschaft. Das ändert sich jetzt durch das Buch „Troublemaker“ von Leah Remini. Wem der Name nichts sagt: Remini spielte neun Staffeln lang die Carrie Heffernan in „King of Queens“. Und gehörte 30 Jahre lang der Sekte an. Bis sie auf pompöse Weise ausstieg – und jetzt mutig über die Gemeinschaft auspackt. „Troublemaker“ ist bereits im Handel erhältlich.

Über Scientology, „King of Queens“, Familie und mehr

Es war eine große Sache, als die Schauspielerin, Produzentin, Ehefrau und Mutter Leah Remini öffentlich machte, dass sie aus der Sekte Scientology ausgestiegen ist. Denn man steigt nicht aus Scientology aus! Das impft die Glaubensgemeinschaft ihren Mitgliedern immer wieder aufs Neue ein. Zum Glück hat Remini es aber getan, denn bekommt die breite Öffentlichkeiten die Informationen, die man bisher nie über Scientology bekommen konnte. Und die sind schockierend, aufrüttelnd, tragisch und bedrückender als das, was man bisher gedacht hat. Zugegeben, in Deutschland wurde bisher eh nicht viel über die Sekte nachgedacht, weil sie hierzulande längst nicht so präsent ist wie in den USA. Dafür ist Leah Remini umso bekannter, seit sie neun Staffeln lang die Carrie Heffernan in „King of Queens“ verkörperte, eine Serie, die zum Kult wurde und wohl auch in Jahrzehnten noch in den Wiederholungen zahllose Zuschauer finden wird. Remini war seit Kindesbeinen an Mitglied von Scientology, hineingebracht von ihrer Mutter, die für sie und ihre Schwester nur das Beste wollte. Ein besseres, sicheres Leben. Aus Leah sollte ein guter Mensch werden, jemand, der den richtigen Weg einschlägt. Und so wurde Remini immer weiter in die Sekte hineingezogen, bis sie ihr komplettes Leben nach ihr richtete. Wenn sie nicht arbeitete oder schlief, dann verbrachte sie die Zeit mit und für Scientology. Und wenn sie arbeitete, dann wurde auch dies zu großen Teilen von der Glaubensgemeinschaft bestimmt. Wie weit das ging, das wird jetzt in „Troublemaker“ deutlich. In ihrem 260 Seiten schweren Buch erläutert Remini ihr ganzes Leben in chronologischer Reihenfolge, von frühester Kindheit bis hin zum Kirchenaustritt nach 30 Jahren. Der geneigte Leser erfährt, wie sie schon als Kind hart gedrillt wurde, dabei aber immer auch das Gefühl bekam, etwas Besonderes zu sein, Macht zu haben, für eine gute Sache einzutreten. Unzählige Auditings durchlief sie in ihren drei Jahrzehnten Scientology, Gespräche, die ihr Gehirn wuschen und sie abhängig machten. Privaten Kontakt hatte Remini größtenteils mit anderen Scientology-Mitgliedern – die Gemeinschaft selbst wünscht dies eigentlich sogar ausschließlich. Unsummen an Geldmitteln sind geflossen von Seiten Reminis an Scientology, viele Stunden jeden Tages wurden investiert, um der Gemeinschaft zu helfen. Kritische Fragen waren verpönt, entsprachen nicht den Vorstellungen von Sektengründer L. Ron Hubbard. Remini war aber im Kern doch immer eine Freidenkerin – und diesem Umstand hat man es nun zu verdanken, dass sie überhaupt die Kraft hatte, aus der Kirche auszutreten und nun – denn das ist aufgrund der Macht von Scientology sehr gefährlich – so öffentlich auszupacken. Das macht sie aber nicht Hass und Tritten, sondern erläutert Beweggründe, ist selbstkritisch und nicht etwa verbittert, sondern wild entschlossen, den Kampf gegen Scientology mit offenem Visier durchzuführen. Man bekommt kein Mitleid mit Remini, sondern ist eher stolz auf sie, dass sie die Zwänge überwunden hat, dass sie so mutig war, nicht nur die Augen zu öffnen, sondern dem offensichtlichen Feind ihres Lebensglücks klar ins Gesicht zu blicken. Ungläubig kann man den Kopf schütteln, wenn man von der perfekt strukturierten Organisation von Scientology liest, mit all ihren Facetten, Apparaten, Regularien und Vorgehensweisen, die es schaffen, ein so enges Konstrukt um sich und die vielen Mitglieder zu bauen. Mittendrin steckt zudem Tom Cruise, der einen großen Teil des Buches einnimmt, weil er schließlich seit vielen Jahren einen großen Teil von Scientology einnimmt. Und was im Buch über ihn zu lesen ist, das ist ein harter Schlag für seine Anhänger. Bisherige Berichte haben immer an der Oberfläche gekratzt, Remini erzählt offen von ihren ganz persönlichen, Gänsehaut verursachenden Erfahrungen. „Troublemaker“ liest sich in weiten Teilen wie ein Science-Fiction-Film, eine dystopische Vision, von deren realer Existenz man durchaus schockiert sein darf. Als es schließlich sogar um eine verschwundene Frau geht, kommt dazu auch noch Krimi-Feeling auf.

Fazit

Ein spannendes, beängstigendes, schockierendes und vor allen Dingen auch wichtiges Buch. Der Serienstar berichtet mit allerhand Selbstkritik über die 30 Jahre Scientology, die man auch als Leser erst einmal verdauen muss. Nie war der Einblick in die Sekte größer, persönlicher und direkter. Klare Kaufempfehlung!

Sterne-4,0

Bibliografische Angaben

Titel: Troublemaker – Wie ich Hollywood und Scientology überlebte
Autorin: Leah Remini
Verlag: m-vg verlag
ISBN: 978-3-86882-693-7
Erschienen: 15. September 2016

Quelle

m-vg Verlag

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Veröffentlicht am 21. September 2016 in Bücher und mit , , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 3 Kommentare.

  1. Hey,
    hab es vorgestern zu Ende gelesen und kann dem nur zustimmen! Sehr mutig von ihr, sich dem Wahnsinn von Scientology gegenüber zu stellen. Ein informatives Buch, auch was die Manipulationstechniken der Sekte angeht.
    Viele Grüße

  2. Miss Baileyvally

    Ich finds ganz toll das Sie den Ausstieg geschafft hat. Ich mochte sie immer sehr gerne in „King of Queens“!

  1. Pingback: Gelesen: Troublemaker von Leah Remini | Lesezauber

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