„Colonia Dignidad“ von Florian Gallenberger im Kino

coloniaVierzig Jahre lang war der Deutsche Paul Schäfer das Oberhaupt eines eigenständigen Staates im Staate Chile. Die Colonia Dignidad galt als die gefährlichste Sekte der Welt und sorgte für viele psychische und physische Schmerzen. Wer die Colonia einmal betreten hat, konnte sie nie wieder verlassen. Strenge Regeln, harte Arbeit und Züchtigung bestimmten den Alltag. Oscar-Gewinner Florian Gallenberger („John Rabe“) inszenierte jetzt einen Film mit fiktiven Ereignissen vor realer Grundlage. Emma Watson, Daniel Brühl und Michael Nyqvist sind die Stars im Film, der am 18. Februar 2016 in die Kinos kommt.

Emma Watson, Daniel Brühl und Michael Nyqvist im Sekten-Thriller

2Die Grundthematik des Films hätte auch ein Arthouse-Drama möglich gemacht, ließ Produzent Benjamin Herrmann die Anwesenden bei einer Pressevorführung von „Colonia Dignidad – Es gibt kein Zurück“ wissen. Stattdessen habe man aber einen waschechten Thriller geschaffen, der zudem auch noch international und qualitativ eindrucksvoll besetzt werden konnte. Drei Hauptrollen gibt es, von denen wir zunächst Lena (Emma Watson, „Regression“, Hermine bei „Harry Potter“) und Daniel (Daniel Brühl, „Rush“, „Ich und Kaminski“) kennen lernen. Sie ist Stewardess und überrascht ihn im Jahr 1973 in Chile, wo sie eine Woche Aufenthalt hat. Daniel ist gerade mitten in einer Protestbewegung als Unterstützer des Präsidenten Allende aktiv. Am nächsten Tag dann das große Entsetzen im Land: Augusto Pinochet ergreift die Macht, Allende-Unterstützer werden verschleppt oder direkt hingerichtet. Auch Daniel wird fort gebracht. Lena bleibt zurück, will aber 3um jeden Preis ihren Freund befreien. Sie erfährt, dass man Daniel in die Colonia Dignidad gebracht hat. Man sagt, dass es von dort kein Entkommen gibt, aber Lena ist fest entschlossen, sich selbst einzuschleusen, um zu zweit wieder in die Freiheit zu kommen. Ihre schlimmsten Vorstellungen vom Leben im eingezäunten Areal der Colonia werden jedoch übertroffen – und Daniel derweil schlimm gefoltert. Ein Grauen, das sich für die Beteiligten und auch für den Zuschauer abspielt. Und auch deshalb noch einmal deutlich vor Augen führt, welch skandalöse Einrichtung die Colonia Dignidad in den vier Jahrzehten war, in denen der religiöse Anführer Paul Schäfer (gespielt von Michael Nyqvist, „John Wick“, „Millennium“-Trilogie) die Macht hatte. Das geht insbesondere eben wegen dieses realen Hintergrunds an die Nieren und beschäftigt den Zuschauer auch nach der Sichtung noch. Eindringlich gespielt, primär von den drei Hauptdarstellern, brennen 4sich manche Szenen förmlich ins Hirn ein. Manch eine Sequenz kommt vielleicht ein wenig zu überhastet daher, darunter auch der Beitritt Lenas zur Colonia. Aber der Spannung tut dies keinen Abbruch. Der in München geborene Oscar-Preisträger Florian Gallenberger (bekam den Preis für den Kurzfilm „Quiero ser – Gestohlene Träume“) zeigt nach „John Rabe“ (ebenfalls mit Brühl) erneut, dass er ein Gespür für seine Figuren hat und lässt den Zuschauer intensiv an deren Erlebnissen teilhaben. Eindrucksvoll sind zudem die Kulissen, die der realen Colonia sehr gut nachempfunden sind. Man merkt deutlich, dass sich Gallenberger und seine Crew sehr mit dem Thema beschäftigt haben und auch viele Gespräche geführt haben mit Personen, die selbst in der Colonia waren. Wer den Film sieht, fragt sich anschließend jedenfalls umso mehr, wie es möglich war, ein derartiges, abgeschottetes Regime vier Jahrzehnte lang aufrecht zu halten.

Fazit

Spannender Sekten-Thriller, der mit drei eindrucksvollen Hauptdarstellern den Schrecken der realen Begebenheiten auf den Zuschauer überträgt.

Sterne-3,5

Filmangaben

Titel: Colonia Dignidad – Es gibt kein Zurück
Originaltitel: Colonia
Genre: Drama / Romanze / Thriller
Land, Jahr: Deutschland / Luxemburg / Frankreich, 2015
Verleih: Majestic Filmverleih
Regie: Florian Gallenberger
Drehbuch: Torsten Wenzel, Florian Gallenberger
Darsteller: Emma Watson, Daniel Brühl, Michael Nyqvist, Richenda Carey, Vicky Krieps, Julian Ovenden, August Zirner, Martin Wuttke
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren
Laufzeit: 110 Minuten
Kinostart: 18. Februar 2016

Quellen

Offizielle Film-Website
Offizielle Facebook-Seite
Internet Movie Database
Majestic Filmverleih

Bilder

Majestic / Ricardo Vaz Palma

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Veröffentlicht am 14. Februar 2016, in Kino. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

  1. Die Besetzung lässt Gutes erahnen…

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