„The Hateful Eight“ von Quentin Tarantino im Kino

HF8.PL_A3_WEISS_RZ.inddOffiziell ist „The Hateful Eight“ in der Tat erst der achte Film in der Karriere von Quentin Tarantino. Der Regisseur und Autor zählt als die sieben Vorgänger „Reservoir Dogs“, „Pulp Fiction“, „Jackie Brown“, „Kill Bill“, „Death Proof“, „Inglourious Basterds“ und „Django Unchained“. Im achten Film sind mal wieder zahlreiche Stars an Bord, die schon oft mit Tarantino gearbeitet haben, darunter Samuel L. Jackson, Kurt Russell und Michael Madsen, aber auch Tarantino-Debütantin Jennifer Jason Leigh, die für ihre Darstellung eine Oscar- sowie eine Golden-Globe-Nominierung erhielt. „The Hateful Eight“ ist ab dem 28. Januar 2016 im Kino zu sehen – in regulärer, digitaler Variante sowie in analoger, etwa 20 Minuten längerer 70 mm Ultra Panavision Roadshow-Version.

Ein Film – zwei Versionen: „The Hateful Eight“

THE HATEFUL EIGHT

Es ist eine ziemlich irre Geschichte, die aber perfekt ins Tarantino-Universum passt: Noch vor kurzer Zeit hätte es den vom Kult-Regisseur und -Autor geplanten Film gar nicht geben sollen, als das Drehbuch – wohl über einen Agenten eines Schauspielers – den Weg ins Internet fand. Tarantino war stocksauer und enttäuscht. „The Hateful Eight“ wurde komplett auf Eis gelegt, nur um dann im April 2014 als Lesung vor 1.600 Fans in Los Angeles (mit zahlreichen der endgültigen Darsteller!) seine offizielle Premiere erfuhr. Die Resonanz war gewaltig – und Tarantino ließ sein Filmprojekt mit einigen Drehbuch-Änderungen neu aufleben. Doch aus keinem Film wurden sogar zwei: Tarantino wollte seinen Film im faszinierenden 70 mm Ultra Panavision Breitbandformat schaffen, eine Filmart, die nur sehr wenige Streifen überhaupt genutzt haben und die es seit fast 50 Jahren nicht zu sehen gab! „Khartoum“ im Jahr 1966 war der letzte Film dieser Art, zu denen auch „Meuterei auf der Bounty“ und „Eine total, total verrückte Welt“ zählen.

THE HATEFUL EIGHT

Ein halbes Jahrhundert später also erfährt Ultra Panavision 70 ein Revival. Doch nicht jeder kommt in den Genuss dieser analogen Variante von „The Hateful Eight“: Lediglich vier Kinos in Deutschland sind beispielsweise in der Lage, den Film auf diese Weise abzuspielen (das Savoy in Hamburg, der Zoo Palast in Berlin, die Schauburg in Karlsruhe und die Lichtburg in Essen). Satte 20 Minuten länger ist diese Roadshow-Version im Vergleich zur digitalen, auch bereits 167 Minuten langen Variante. Die Unterschiede liegen primär in einer Ouvertüre und einer zwölfminütigen Pause mit teilweiser Musik-Untermalung. Zudem sind einige Einstellungen weiter gefasst als bei der normalen Kinovariante. Einstellungen, die vielen vielleicht als zu langatmig vorgekommen wären. Tarantino hat bereits deutlich gemacht, dass die kürzere, digitale Version grundsätzlich der Film ist, so wie er nun einmal ist. Die Roadshow-Version in 70 mm jedoch sei die Fassung, die all das raus holt, was er möchte und den Kinobesuch zugleich zu einem großen Ereignis macht, wie es früher der Fall gewesen ist. Somit ist sicher gestellt: Wer die Roadshow-Version zu Gesicht bekommt, erlebt etwas Einzigartiges. Doch wer „nur“ die digitale Variante sieht, darf sich natürlich ebenfalls glücklich schätzen.

Die Handlung von Quentin Tarantinos „The Hateful Eight“

THE HATEFUL EIGHT

Doch worum geht es eigentlich bei „The Hateful Eight“? Wie der Titel schon sagt, bekommen wir es mit acht Leuten zu tun, wobei der englische Begriff „hateful“ praktischerweise sowohl „verhasst“ als auch „hasserfüllt“ bedeutet. Und all das sind die Charaktere auch, mit denen wir uns in den etwa drei Stunden Laufzeit beschäftigen dürfen. Gut, eigentlich treten noch ein paar mehr Leute auf, aber die „Hateful Eight“ sind die, die für das Salz in der Suppe sorgen. Die wird ausgelöffelt im tiefsten Schneesturm in den Bergen auf dem Weg nach Red Rock. Hier lernen wir direkt vier der Hateful Eight kennen: Major Marquis Warren (Samuel L. Jackson) ist Kopfgeldjäger und hat gerade ein paar getötete Gesuchte im Schlepptau. Durch den einsetzenden Sturm sieht er aber keine andere Möglichkeit, als die Kutsche von John Ruth (Kurt Russell) zu stoppen. Der hat ebenfalls jemanden dabei, den er in Red Rock abgeben will. Doch Ruth hat’s nicht so mit frühzeitigen Leichen, will seine Gefangenen lieber am Galgen baumeln sehen. Dies ist in diesem Fall Daisy Domergue (Jennifer Jason Leigh), die Ruth aufgrund der angelegten Ketten nicht von der Seite weichen kann.

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Zu den dreien stößt zudem Chris Mannix (Walton Goggins), der behauptet, in Red Rock zum neuen Sheriff ernannt zu werden. Zu viert macht man sich auf den Weg in eine abgelegene Hütte namens „Minnie’s Haberdashery“, wo sie ein paar Tage abwarten wollen, bis der Sturm vorbei ist. Dort angekommen, trifft man auf die nächsten vier der Hateful Eight: Bob (Demián Bichir) hat die Aufsicht über die Lokalität übernommen, während die Besitzer gerade unterwegs sind. Und im Warmen (naja, zumindest im Wärmeren als draußen) warten zudem der Brite Oswaldo Mobray (Tim Roth), der schnodderige Cowboy Joe Gage (Michael Madsen) sowie General Sandy Smithers (Bruce Dern). Schön gemütlich könnte man es haben, wenn nicht jeder jedem misstrauen würde. Und das völlig zu Recht…

Film-Kritik zum dreifach Oscar-nominierten „The Hateful Eight“

THE HATEFUL EIGHT

Als die Oscar-Nominierungen bekannt gegeben wurden, dürfte man im Team von Quentin Tarantino sehr enttäuscht gewesen sein. Keine Nominierung gab es als Bester Film, auch Beste Regie und Bestes Drehbuch kommen ohne Tarantino aus. Drei Chancen hat der Film immerhin, für die heraus ragende Nebendarstellerin Jennifer Jason Leigh („Kill Your Darlings“, „Weeds“, „Der Maschinist“), die eindrucksvolle Kamera-Arbeit des dreifachen Oscar-Gewinners Robert Richardson („Hugo Cabret“, „Aviator“, „JFK“) und den Filmscore von Musik-Legende Ennio Morricone (seine sechste Nominierung nach u.a. „Die Unbestechlichen“). Der Filmfraß meint jedoch, dass durchaus mehr Nominierungen verdient gewesen wären. Viel Spaß hatte er vor allen Dingen aus der Kombination aus großartigen Schauspielern, spannenden Charakteren und köstlichen Dialogen, die uns die Hateful Eight und die weiteren Darsteller näher gebracht haben. Und vor allen Dingen ist ganz klar: Dieser Film gehört ins Kino.

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Die Art und Weise, wie spektakuläre Bilder eingefangen wurden, ist aller Ehren wert und ist allein das Eintrittsgeld wert. Dabei ist nicht nur das 70-mm-Format in Ultra Panavision gemeint, sondern die komplette Bildsprache und die Art der Verwendung der weiten, langen Aufnahmen. Man hat förmlich das Gefühl, mit dabei zu sein im tiefen Schnee und in der Hütte, in der sich das Meiste des Films abspielt. Wer hat hier welche Geheimnisse? Wer führt was im Schilde? Wer sich einlässt auf die Figuren, der kann viel Freude haben mit der fortlaufenden Aufschlüsselung der verschiedenen Beziehungen der Personen zueinander. Und sich ganz den Tarantino-Dialogen hingeben, bis sich diese dann mit einer Menge Gewalt vermischen. Zwar muss man sagen, dass hier nicht so viele im Gedächtnis bleibende Highlights gesetzt werden wie bei den besten Filmen Tarantinos. Darüber hinaus muss man dem überlangen Geschehen schon seine ganze Aufmerksamkeit widmen, um Freude zu haben. Und die Landschafts-Aufnahmen kommen auch ein wenig zu kurz. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau, denn für sich gesehen ist auch der achte Film Quentins einer der besonderen Sorte.

THE HATEFUL EIGHT

Wer darüber hinaus die Möglichkeit hat, sich den Film im Originalton anzuschauen, sollte dies natürlich auf jeden Fall tun! Manche Kinos bieten auch deutsch untertitelte OV-Fassungen an, denen man aufgrund der Dialoge und der schauspielerischen Leistungen trotz eventuell mangelnder Englisch-Kenntnisse eine Chance geben sollte. Dem Filmfraß wurde vorab leider nur die reguläre, digitale Kino-Version gezeigt, doch die Tickets für die Roadshow-Version sind bereits gebucht und versprechen ein noch erfüllenderes Kino-Erlebnis.

Fazit

Spitzen Schauspieler stellen tolle Charaktere dar und füllen sie mit den köstlichen Dialogen von Tarantino. Dazu eine absolut preiswürdige Kamera-Arbeit, für die allein sich schon der Weg ins Kino lohnt. In welcher Filmversion auch immer. Für viele unter Umständen etwas langatmig, aber der Filmfraß war bestens unterhalten!

Sterne-4,5

Filmangaben

Titel: The Hateful Eight
Originaltitel: The Hateful Eight
Genre: Western
Land, Jahr: USA, 2015
Verleih: Universum Film (Walt Disney)
Regie: Quentin Tarantino
Drehbuch: Quentin Tarantino
Darsteller: Samuel L. Jackson, Kurt Russell, Jennifer Jason Leigh, Walton Goggins, Tim Roth, Demian Bichir, Michael Madsen, Bruce Dern
Laufzeit: 167 Minuten (Digitale Version), 187 Minuten (Roadshow-Version)
FSK-Freigabe: noch nicht bekannt
Kinostart: 28. Januar 2016

Quellen

Internet Movie Database
Offizielle Film-Website
Offizielle Facebook-Seite
Universum Film

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Veröffentlicht am 16. Januar 2016 in Kino und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

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