„German Angst“ – Horror-Kurzfilme auf DVD, Blu-ray, Mediabook

1 - German AngstRiesengroßes Brimborium wurde um ihn gemacht: Der Horror-Episodenfilm „German Angst“ hat erstaunlich viel Presse erhalten, größtenteils sicher auch, weil einer der drei Regisseure der Genre-Experte Jörg Buttgereit („Nekromantik 1+2“, „Schramm“) ist. Auch die anderen beiden, Michal Kosakowski („Zero Killed“) und Andreas Marschall („Masks“) haben schon für Furore gesorgt unter Fans von Gewaltfilmen. Der Filmfraß hat sich das Gemeinschaftswerk der drei auf den Fantasy Filmfest Nights zu Gemüte führt. Ab 15. Mai 2015 darf man sich das fragwürdige Teil auf DVD, Blu-ray und im limitierten Mediabook ins Regal stellen.

„German Angst“ – Die Handlung der drei Horror-Episoden

Episode 1 – „Final Girl“  (Regie: Jörg Buttgereit):
2 - Final GirlWir lernen ein Mädchen (Lola Gave) kennen, das in einer herunter gekommenen, völlig verdreckten Wohnung lebt. Viele Dinge, die sie in der Folge tut, sind völlig normal: Sie wacht auf, sie streichelt eines ihrer Meerschweinchen, sie geht auf die Toilette und putzt sich die Zähne. Doch das ist schon alles, was normal ist in ihrem Leben: Sie ist ganz offensichtlich ein Final Girl, also quasi die letzte Überlebende, die sich einem Bösewicht entgegen stellt. Und dieser Bösewicht ist ihr Vater (Axel Holst), der in seinem Bett liegt, von ihr gefesselt und geknebelt. Schnell wird dem Zuschauer klar, dass er ihr übel mitgespielt hat, sie 3 - Final Girl 1wohl missbraucht hat und nun den Preis dafür zahlen muss. Das Mädchen erzählt uns davon, wie falsch ihr Verhalten ihr Meerschweinchen gegenüber ist, dass es überhaupt nicht gestreichelt werden möchte, dass es Angst hat, sie das aber nie verstanden hat. Und ihm auch nie zugehört hat. So wie ihr Vater offenbar ihr selbst. Damit er nichts Böses mehr tun kann, hat sie schlimme Dinge mit ihm vor, nutzt eine Rasierklinge und ein elektrisches Küchenmesser für alles, was folgt. Und das wird sehr blutig.

Episode 2 – „Make a Wish“  (Regie: Michal Kosakowski):
4 - Make a WishEin junges, taubstummes Paar (Matthan Harris, Annika Strauss) schaut sich ein verlassenes, abgelegenes Gemäuer an und lässt sich dort nieder, um das Leben zu genießen. Dort erzählt er ihr in Gebärdensprache eine alte Geschichte, die mit einem Anhänger zu tun hat, den er ihr schenkt. Einst wurde durch Nazis fast eine ganze polnische Familie ausgelöscht. Der Anhänger sorgte schließlich in den Händen eines kleinen, polnischen Mädchens dafür, dass ein ebenfalls noch am Leben befindlicher Erwachsener der Familie den Körper tauscht mit dem Anführer des Nazi-Trupps. In dessen Gestalt erschießt 5 - Make a Wisher alle anderen – bis auf das Mädchen natürlich. Die alte Geschichte überträgt sich auf die Gegenwart, was an einer Bande gewaltbereiter Nazis liegt (Andreas Pape, Daniel Faust, Denis Lyons, Martina Schöne-Radunski). Die sind eindeutig auf Krawall aus, erfahren durch Lektüre der Ausweise auch noch, dass die beiden Polen sind und überlegen, was sie nun Finsteres mit ihnen anstellen können. Sie verprügeln die Frau, die den Anhänger jedoch nutzt, damit ihr Freund den Körper mit dem Nazi-Anführer tauscht. Die neue Macht nutzt er – für seine Freundin schockierend – mit einem eigenen Gewaltausbruch, durch den er sich an den Peinigern rächen will.

Episode 3 – „Alraune“  (Regie: Andreas Marschall):
6 - AlrauneEden (Milton Welsh) wurde gerade erst von seiner Freundin verlassen, da macht er sich auf die Suche nach einer Bekanntschaft für die Nacht. Im Internet lernt er die mysteriöse Kira (Kristina Kostiv) kennen, die er schon bald in einem Club trifft. Doch Kira verschwindet – und Eden findet sie erst in einer Wohnung wieder, die offenbar zu einem geheimen Kult gehört. Eden verschreibt sich dessen Anführer Petrus (Rüdiger Kuhlbrodt) und taucht ab in die Berliner Unterwelt. Anfänglich ist er begeistert von der faszinierenden Aura der Gesellschaft, doch schon bald realisiert er, wie gefährlich sein Beitritt für ihn und auch Kira eigentlich ist.

Film-Kritik – „German Angst“ auf DVD, Blu-ray und im Mediabook

7Internet und Presse waren erstaunlich voll von „German Angst“. Warum dies so ist, das ist die Frage. Als größtes Highlight der Fantasy Filmfest Nights 2015 wurde der dreigeteilte Episodenfilm angepriesen, als Horror-Heimatfilm von drei Regisseuren, die sich mit dem Metier bestens auskennen. Allen voran ist hier natürlich Deutschlands Horror-Koryphäe zu nennen. Der 1963 geborene Jörg Buttgereit hat sich in den letzten Jahren sehr rar gemacht, was Spielfilme betrifft und primär für’s Theater, Hörspiele und derlei Dinge gearbeitet. Regie-Kollege Andreas Marschall („Tears of Kali“) soll es gewesen sein, der auf Pressetouren zu seinem „Masks“ immer wieder auf Buttgereit angesprochen wurde und den Schaffer von so ekligen Werken 8wie „Nekromantik 1+2“, „Schramm“ und „Der Todesking“ zum Projekt holte. Als Dritter an Bord ist Michal Kosakowski, dessen Doku „Zero Killed“ über Mordfantasien eher nur einschlägigen Genrefans bekannt sein dürfte. Mit „German Angst“ legen sie nun ein Gemeinschaftswerk ab, das in erster Linie eines soll: Schockieren. Doch reicht das auch aus, um einen wirklich spektakulären, im Gedächtnis bleibenden Film zu schaffen? Nicht wirklich, muss leider gesagt werden. Die Handlungen der drei Filmteile sind klar überschaubar, darüber hinaus ziemlich amateuerhaft inszeniert. Hier und da blitzt durchaus auch was Schickes auf, etwa durch die schauspielerischen Leistungen von Andreas Pape und Milton Wesh oder die Darstellung der 9Body-Horror-Szenen. Das ist in der Tat eklig und schlimm, wenn zu Beginn das Mädchen dem Vater Gliedmaßen abtrennt, wenn ein Nazi einer Frau ins Gesicht schlägt oder sich zum Schluss eine Frau mit Glasscherben selbst auf’s Übelste verstümmelt. Abgründe tun sich auf – aber wo genau ist der Mehrwert? „German Angst“ scheint einzig und allein darauf abzuzielen, einige schockierende Szenen zu zeigen – die dünnen Handlungen drum herum sind wenig schmückendes Beiwerk, die halt sein müssen, um die Ekelszenen zu rechtfertigen. Ein wenig fühlt man sich an billigste Pornos erinnert, in denen der Klempner ein Rohr verlegen will – als absurder Rahmen für die Szenen, um die es wirklich geht. Dass hier überhaupt nichts 10Professionelles, filmisch Wertvolles entstehen sollte, merkt man direkt in der ersten Episode, wenn die junge Lola Gave ihre Texte dahin stelzt. Buttgereit selbst sagte im Gespräch auf den Fantasy Filmfest Nights, dass aus Laiendarstellerin Gave schauspielerisch nicht viel heraus zu holen war. Warum wurde sie dann überhaupt eingesetzt? Ihre Monologe sollen natürlich fremd klingen, statisch, künstlich, kühl. Das bringt der gebrochene Charakter mit sich. Aber sie wirken eben auch einfach schlecht vorgetragen. Gleiches gilt auch für viele der gesprochenen Szenen in den anderen beiden Episoden, wo ein paar wenige Darstellungen wohl auch deshalb heraus ragen, weil der Rest einfach furchtbar gestellt klingt. „Was wolltest du uns 11damit sagen?“ war dann auch gleich die erste Frage an Buttgereit im Q&A nach der Sichtung, die sich der Filmfraß zu Gemüte führte. Buttgereit antwortete ausweichend, wusste wohl selbst nicht so recht, was die Message sein sollte. Schließlich fiel ihm ein, dass er Kindesmissbrauch verabscheue und er es günstiger hätte haben können, wenn er einfach dies hier so gesagt hätte, statt seine Episode zu drehen. Dann hätte man halt nur auf ein paar eklige Szenen verzichten müssen, die Genre-Anhänger nun zu sehen bekamen. Nicht mehr, nicht weniger. Eine schöne Grundidee, drei angesagte Horror-Filmer zu einem gemeinschaftlichen Projekt zusammen zu trommeln. In der Folge aber vielleicht dann doch ein Fehler. Denn 12schaut man sich die bisherigen Werke der Regisseure an, kommt einem in den Sinn, dass die einzelnen Episoden vielleicht deutlich besser geworden wären, weil handlungsstärker, intensiver, ausgearbeiteter, wenn jede der drei Episoden die ganze Spielfilmlänge erfahren hätte. So bleiben drei kurze Filmchen, in denen fadenscheinige Storys ein paar abscheuliche Szenen beherbergen – und das Beste am Film das großartige Hauptplakat ist. Das ziert immerhin auch die Heimkino-Veröffentlichungen, die in Form von DVD, Blu-ray und limitiertem Mediabook (mit DVD und Blu-ray) in den Handel kommen. Nach Berufungsverfahren mit der FSK ungekürzt mit FSK-18-Freigabe.

Fazit

Viel Wind um wenig: Wer wert auf Handlung, Tiefgrund oder professionelle Filmarbeit legt, ist hier falsch. Genre-Fans, die einfach sadistischen Spaß an fiesen Szenen haben, finden Stoff von drei angesagten Horror-Regisseuren.

Sterne-2,0

Filmangaben

Titel: German Angst
Originaltitel: German Angst
Genre: Horror / Action / Fantasy
Land, Jahr: Deutschland, 2015
Verleih: Neue Pierrot Le Fou
Regie: Jörg Buttgereit, Michal Kosakowski, Andreas Marschall
Drehbuch: Jörg Buttgereit, Andreas Marschall, Goran Mimica
Darsteller: Milton Welsh, Annika Strauss, Denis Lyons, Matthan Harris, Stephen Patrick Hanna, Désirée Giorgetti, Daniel Faust, Andreas Pape, Lola Gave, Rüdiger Kuhlbrodt, Kristina Kostiv, Magdalena Ritter, Martina Schöne-Radunski, Roman Szczeblewski, Ludo Vici, Lucia Wolf
FSK-Freigabe: ab 18 Jahre
Laufzeit: 118 Minuten (Blu-ray), 115 Minuten (DVD)
Kaufstart: 15. Mai 2015

Quellen

Internet Movie Database
Pierrot le Fou

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Veröffentlicht am 10. Mai 2015 in DVD & Blu-ray und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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