No Turning Back (Locke)

1 - Filmplakat„Knight Rider. Ein Auto, ein Computer, ein Mann.“ Genau so klang damals ein Teil des Openers zur Kult-Serie um das Wunderauto K.I.T.T., so ähnlich klingt jetzt die Story von „Locke“, der in Deutschland bekloppterweise den Titel „No Turning Back“ bekommen hat. Hier ist der Hauptdarsteller nicht David Hasselhoff, sondern der Londoner Tom Hardy („The Dark Knight Rises“, „Warrior“, „Lawless“) als einzige sichtbare Figur im Film, sein Auto das einzige Setting, das das Drama benötigt, der Computer seine integrierte Handyanlage, mit der er krampfhaft versucht, das um ihn entstandene private und berufliche Chaos in den Griff zu kriegen. Der „Knight“ ist in diesem Fall Regisseur Steven Knight, Oscar-nominiert für sein Drehbuch zu „Kleine schmutzige Tricks“. „No Turning Back“ startet am 19. Juni 2014 im Kino.

„No Turning Back“ alias „Locke“ – One-Man-Show von Tom Hardy

Ein wenig fühlt man sich an „Buried – Lebend begraben“ mit Ryan Reynolds erinnert, wenn man sich „No Turning Back“ (oder im Original „Locke“) ansieht. Der Hauptdarsteller – in diesem Fall Tom Hardy (zuletzt u.a. Bane in „The Dark Knight Rises“) – ist der einzige sichtbare Charakter im kompletten Film, der immerhin eine Laufzeit von 85 Minuten aufweist. Setting ist hier kein Sarg, sondern ein Auto, das sich auf der Fahrt von Punkt A nach Punkt B befindet. Eine weitere Gemeinsamkeit der beiden Hauptfiguren: Beiden geht während des Films mehr und mehr die Luft aus, wenngleich auch Tom Hardy alias Ivan Locke nicht ganz so ultimativ wie Reynolds in „Buried“. Locke nutzt die Fahrtzeit, um sein Leben NO TURNING BACKwieder einigermaßen in den Griff zu bekommen, dass er vor einem Dreivierteljahr in nur einer Nacht völlig vergeigt hat. Bis zuletzt war Locke ein hoch angesehener Bauleiter einer Firma, die sich aktuell um einen gewaltigen, historischen Fundament-Auftrag eines riesigen Bauobjektes sorgt. Den morgigen Termin in aller Frühe, an dem Existenzen und viel, viel Geld hängen, wird Locke nicht wahrnehmen können, denn er befindet sich auf dem Weg ins Krankenhaus im einige Stunden entfernten London. Dort liegt die sehr nervöse, unruhige, psychisch recht angeschlagene Bethan, um in Bälde ein Kind zu gebären. Das Blöde nur: Bethan ist nicht seine Frau, sondern eine ehemalige, kurzzeitige Arbeitskollegin, die Locke zu einem einmaligen Seitensprung hinreißen ließ. Nun muss der bis gestern noch gefestigte, glückliche Mann um seine Existenz kämpfen, hält telefonischen Kontakt zur gereizten, angespannten Bethan, zu seiner verständlicherweise ob der spontan erhaltenen Nachrichten schockierten Frau Katrina, zu seinem Sohn sowie einigen wichtigen Arbeitskollegen, darunter sein Chef und der arme Mann, der nun gezwungen ist, die anspruchsvollen Aufgaben Lockes als Ersatz zu bewältigen. NO TURNING BACKDie Probleme häufen sich für Locke, dessen Leben genau so in sich zusammen zu stürzen droht wie das Fundament des gewaltigen Gebäudes, sollten sich Fehler in die Bau-Organisation einschleichen. Lockes Fahrt geht ohne Stopps weiter, die Autos ziehen wie sein Leben an ihm vorbei. Es ist spät abends, und langsam wird es dunkel in Lockes Leben, das rettende Licht scheint in weiter Ferne, auch wenn er dies erst nach und nach begreift. Bei den British Independent Film Awards war das Drehbuch zu „No Turning Back“ siegreich, in den deutschen Kinos dürfte es der Streifen leider recht schwer haben. Zu unklar scheint die Zielgruppe zu sein, zu wenig dürften sich einerseits Mainstream, andererseits Arthouse angesprochen fühlen. Und sicherlich muss man sich voll einlassen auf das intime Setting und die recht simple Grundausstattung, die der Film zu bieten hat. Allein schon Tom Hardy sorgt jedoch dafür, dass hier keine Langeweile aufkommt, sondern man erleben möchte, was mit Locke geschieht, ob er Privat- und Berufsleben einigermaßen wieder auf die Reihe bekommt und wie er mit all den Ereignissen, die ihn in so kurzer Zeit aus der Bahn werfen, klar kommt. Locke ist kein Held, sondern ein Mann, der einen Fehler gemacht hat und diesen nun bereinigen will. Und am Ende bleibt die Überlegung, dass alles im Leben seine Konsequenzen hat.

Fazit

Tolle One-Man-Show von Tom Hardy, dem man gerne zusieht bei der versuchten Chaos-Bewältigung in Berufs- und Privatleben.

Sterne-4,0

Filmangaben

Titel: No Turning Back
Originaltitel: Locke
Genre: Drama
Land, Jahr: Großbritannien / USA, 2013
Verleih: Studiocanal
Regie: Steven Knight
Drehbuch: Steven Knight
Darsteller: Tom Hardy
FSK-Freigabe: ohne Altersbeschränkung
Laufzeit: 85 Minuten
Kinostart: 19. Juni 2014

Quellen

Offizielle Film-Website
Internet Movie Database
Kino.de
Studiocanal

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Veröffentlicht am 13. Juni 2014 in Kino und mit , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

  1. Ja, ich fand den Film auch sehr gut. Ich finde nicht, dass es der Film schwer haben wird wegen der Zielgruppe sondern wegen dem schlecht getimten Starttermin vom Verleih. Zu Beginn der Fußball-WM ist doch eigentlich klar, dass es da weniger Leute ins Kino zieht (abgesehen von den „Protest“-Kinobesuchern, die sich absichtlich ein Kontrastprogramm zum Fußball suchen).

    Wie üblich hier auch nochmal meine Kritik, obwohl wir uns zur Abwechslung in den meisten Punkten einig sind 😉 : http://filmkompass.wordpress.com/2014/07/17/locke-omu-2013/

    LG, Franzi

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