Biester (DVD)

Biester_DVDK_C.inddAus dem Jahr 1995 stammt das französische Thriller-Drama von Claude Chabrol, den Universum Film am 25. Oktober 2013 als DVD-Neuauflage in den Handel gebracht hat. In den Hauptrollen spielen Isabelle Huppert, Sandrine Bonnaire, Jacqueline Bisset, Jean-Pierre Cassel und Virginie Ledoyen. „Biester“ ist die filmische Adaption des Buches „Urteil in Stein“ von Ruth Rendell und beschäftigt sich mit den seelischen Diskrepanzen und Abgründen einer reichen Familie und deren Hausmädchen.

„Biester“ – Die Handlung des Thriller-Dramas mit Sandrina Bonnaire, Isabelle Huppert

2Sophie (Sandrine Bonnaire) sucht einen neuen Job als Haushälterin – und findet diesen bei den schwer reichen und im schicken Anwesen lebenden Lelièvres. Höchst zufrieden mit der eifrigen jungen, aber ruhigen Frau sind Vater Georges (Jean-Pierre Cassel), Mutter Catherine (Jacqueline Bisset) sowie die Kinder Melinda (Virginie Ledoyen) und Gilles (Valentin Merlet). Auf persönlicher Ebene hält sich Sophie sehr bedeckt, weist zudem Unzulänglichkeiten in allerhand alltäglichen Dingen wie Lesen und Schreiben auf. Bald freundet sie sich aber mit der deutlich unruhigeren Jeanne (Isabelle Huppert), die sich förmlich in das Leben von Sophie und damit auch in das der Lelièvres drängt. Die wundern sich schon bald, dass der Arbeitseifer von Sophie nachlässt – und schon bald sieht die Welt für die reiche Familie gänz anders aus als geplant.

Film-Kritik – „Biester“ von Claude Chabrol mit Sandrine Bonnaire, Isabelle Huppert

380 Jahre alt ist der französische Vielfilmer Claude Chabrol geworden, hat von 1958 bis hin zu seinem Tod im Jahr 2010 über 70 Regie-Arbeiten abgeliefert. Eines der letzten seiner Werke ist „Biester“ aus dem Jahr 1995, in dem er sich einmal mehr mit Isabelle Huppert („Liebe“) zusammen tut, die hier für Unfrieden innerhalb der Beziehung einer jungen Haushälterin, gespielt von Sandrine Bonnaire („Adieu Paris“), zu deren reicher Arbeitgeber-Familie sorgt. Die „Biester“ entwickeln sich hier langsam durch die 107 Minuten Laufzeit – etwas schleppend mitunter, aber auf alle Fälle unterhaltsam gespielt von den hauptsächlich weiblichen Darstellern, zu denen auch Jacqueline Bisset („Bullitt“) und Virginie Ledoyen („Leb wohl, meine Königin!“) zählen. Die filmische Adaption von Ruth Rendells „Urteil in Stein“ überzeugt dabei durch seine langsame Entwicklung des zum Wohle der Familie arbeitenden Hausmädchens zur Rebellin, die durch Impulse von außen erfährt, dass sie in ihrem Leben etwas ändern muss, um glücklich zu sein. Ein wenig angestaubt wirkt „Biester“ dabei in vielen Szenen und hat einen ständigen TV-Film-Touch, für Fans des französischen Kult-Regisseurs, -Autors, und -Produzenten Chabrol („Die untreue Frau“, „Süßes Gift“, „Die Hölle“, „Zwei Freundinnen“) jedoch ein interessantes Spätwerk.

Fazit

Spannende Darstellerinnen in ruhigem, aber intensivem Thriller-Drama – gelegentlich etwas langatmig, für Fans von Chabrol, facettenreichen Charakteren und dem tief gehenden Blick auf seelische Abgründe aber allemal sehenswert.

Sterne-3,0

Filmangaben

Titel: Biester
Originaltitel: La cérémonie
Genre: Drama / Thriller
Land, Jahr: Frankreich, 1995
Verleih: Universum Film
Regie: Claude Chabrol
Drehbuch: Claude Chabrol, Caroline Eliacheff
Buchvorlage: Ruth Rendell („Urteil in Stein“)
Darsteller: Isabelle Huppert, Sandrine Bonnaire, Jean-Pierre Cassel, Jacqueline Bisset, Virginie Ledoyen, Valentin Merlet, Julien Rochefort, Dominique Frot
FSK-Freigabe: ab 12 Jahre
Laufzeit: 106 Minuten
Kaufstart: 25. Oktober 2013

Quellen

Internet Movie Database
Video.de
Universum Film

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Veröffentlicht am 16. November 2013 in DVD & Blu-ray und mit , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

  1. Heinz-Jürgen Schönhals

    Ehrlich gesagt: ich habe den Film nicht verstanden. Ein anspruchsvoller Film muss eine Idee haben, und Chabrol drehte ja immer anspruchsvolle Filme. Was aber war die Idee dieses Films? Sollte nur das absolut Böse dargestellt werden? Es ist auf dieser Welt genauso selten wie das absolut Gute. Die zweimalige Wiedergabe der wunderbaren Arie aus Mozarts ‚Don Giovanni‘ am Schluss, während des Massakers, lässt darauf schließen, dass es um diesen Gegensatz ‚absolut gut – absolut schlecht‘ geht. Mozart repräsentiert hier das Vollkommene, Gute; die beiden Mädchen das radikal Böse, Niederträchtige. Auch der zitierte Satz Nietzsches: ‚An den ehrbaren Leuten stößt mich vieles ab, nicht so sehr das Böse an ihnen‘ deutet auf den genannten Gegensatz hin. Bei Chabrol geht es in der Regel auch um Kritik am ‚ehrbaren‘ Bürgertum, das in Wahrheit gar nicht ehrbar ist. Der zitierte Satz Nietzsches lässt vermuten, dass in der ehrbaren Familie des Fabrikanten auch das Böse steckte. Aber wo? Die Absicht der schwangeren Tochter, das Kind eventuell abzutreiben (was ja vom Standpunkt der Moral verabscheuungswürdig ist), stellt einen Makel in der ‚ehrbaren‘ Familie dar. Aber wo waren die anderen dunklen Punkte in dieser Familie. Man hatte doch sonst den Eindruck, dass es sich um durchweg liebenswerte und gutmütige Menschen handelte. Dieses Bild der Harmonie bekam allerdings einige Kratzer durch die Vorwürfe der Postangestellten. Sie hatte Briefe des Familienvaters geöffnet und schleuderte ihm hasserfüllt die Behauptung entgegen, sie wisse, wer er sei; außerdem behauptete sie, seine Frau sei eine ehemalige Prostituierte. Auch gegenüber Sophie sprach sie abfällig von dem Fabrikanten: er sei kein Unschuldslamm, in seinem Haus hätte sich üble Dinge ereignet. Doch es blieb offen, ob das nur haltlose Beschimpfungen einer bösen Frau waren oder ob der Fabrikant tatsächlich ‚einige Leichen im Keller‘ hatte. Chabrol hat hier nur Verdächtigungen gestreut, was m. E. ein Schwachpunkt des Films ist. – Geht es in diesem Film eventuell um eine existentielle (metaphysische) Schuld der kultivierten Familie? Der Satz am Anfang ‚Gerecht kann nur sein, wer moralisch ist‘ deutet auf diese Idee hin. Die ‚ehrbare‘ Familie handelte gegenüber dem Hausmädchen Sophie gerecht, milde und gutherzig, aber durften sie sich eine solche ‚Gerechtigkeit‘ herausnehmen, da sie doch – jedenfalls in der Gestalt der Tochter und eventuell auch in anderer Hinsicht, was nicht ganz klar wurde – unmoralisch waren? Besonders war die Tochter ‚gerecht‘ gegenüber der armen Sophie, diejenige also, die eindeutig unmoralisch dachte. Außerdem: wer so reich ist, wie die Fabrikantenfamilie, kann gut großzügig, milde und kultiviert sein, die vom Leben Geschundenen und Getretenen, wie die beiden bösen Mädchen, können das nicht. Deshalb empfinden diese vom Leben Benachteiligten das großbürgerlich-vornehme und gleichzeitig gönnerhaft-gütige Benehmen der Glücklichen als ärgerlich oder ätzend oder sogar als widerlich (Nietzsche sprach hier vom Ressentiment der Ohnmächtigen). War das alles die Intention des Regisseurs?

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